Ein Brutto-Netto-Rechner zeigt Ihnen, wie viel Geld Sie tatsächlich erhalten (Nettogehalt) von Ihrem vereinbarten Gehalt (Bruttogehalt), nachdem Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen wurden. Dies ist in Deutschland wichtig, weil das, was Sie verhandeln und was in Ihrem Arbeitsvertrag steht, immer der Bruttobetrag ist, aber das, was Sie auf Ihr Bankkonto erhalten, ist der Nettobetrag.
Warum brauchen Sie diesen Rechner?
Für Gehaltsverhandlungen:
- Berechnen Sie, wie viel eine Gehaltserhöhung tatsächlich in Ihre Tasche bringt
- Rückwärts rechnen: Wenn Sie ein bestimmtes Nettoeinkommen wollen, finden Sie heraus, welches Bruttogehalt Sie verhandeln müssen
- Stellenangebote genauer vergleichen
Für Finanzplanung:
- Verstehen Sie Ihr tatsächliches verfügbares Einkommen
- Planen Sie Ihr monatliches Budget basierend auf dem Nettoeinkommen
- Berechnen Sie die Auswirkungen verschiedener Steuerszenarien
Wichtige deutsche Gehaltsbegriffe
Bruttogehalt:
- Der Gesamtbetrag, den Ihr Arbeitgeber vor allen Abzügen zahlt
- Dies steht in Ihrem Arbeitsvertrag
- Beinhaltet Ihr Grundgehalt plus regelmäßige Boni
Nettogehalt:
- Der tatsächliche Betrag, der auf Ihr Bankkonto überwiesen wird
- Bruttogehalt minus Steuern und Sozialversicherungsbeiträge
- Dies ist Ihr “verfügbares” Gehalt
Was wird von Ihrem Bruttogehalt abgezogen?
1. Lohnsteuer
- Dies ist eine Vorauszahlung auf Ihre jährliche Einkommensteuer
- Wird monatlich abgezogen und direkt vom Arbeitgeber an das Finanzamt überwiesen
- Der endgültige Betrag wird berechnet, wenn Sie Ihre jährliche Steuererklärung abgeben
- Sie können Geld zurückbekommen oder müssen nachzahlen, je nach Ihrem Gesamtjahreseinkommen
2. Sozialversicherungsbeiträge
Diese sind verpflichtend und werden 50/50 zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber aufgeteilt:
Krankenversicherung: ~16,3% insgesamt
- Sie zahlen: ~8,15%
- Arbeitgeber zahlt: ~8,15%
Rentenversicherung: 18,6% insgesamt
- Sie zahlen: 9,3%
- Arbeitgeber zahlt: 9,3%
Arbeitslosenversicherung: ~2,4% insgesamt
- Sie zahlen: ~1,2%
- Arbeitgeber zahlt: ~1,2%
Pflegeversicherung: ~3,4% insgesamt
- Sie zahlen: ~1,7%
- Arbeitgeber zahlt: ~1,7%
3. Kirchensteuer - Optional
- 8-9% Ihrer Lohnsteuer (nicht Ihres Bruttogehalts)
- Gilt nur, wenn Sie als Mitglied einer anerkannten Religionsgemeinschaft registriert sind
- Sie können dies vermeiden, indem Sie offiziell aus der Kirche austreten
4. Solidaritätszuschlag
- Derzeit für die meisten Einkommensniveaus ausgesetzt
- War historisch 5,5% Ihrer Lohnsteuer
Deutsche Steuerklassen
Ihre Steuerklasse bestimmt, wie viel Lohnsteuer monatlich abgezogen wird. Wählen Sie die richtige:
- Klasse 1: Alleinstehende, geschiedene oder getrennte Personen
- Klasse 2: Alleinerziehende (geringere Steuerlast)
- Klasse 3: Verheiratet mit deutlich höherem Einkommen als der Ehepartner
- Klasse 4: Verheiratet mit ähnlichem Einkommen wie der Ehepartner (am häufigsten)
- Klasse 5: Verheiratet mit deutlich geringerem Einkommen als der Ehepartner
- Klasse 6: Wenn Sie einen Zweitjob haben
Wichtig für Verheiratete:
- Klassen 3 und 5 sollen bald abgeschafft werden
- Klasse 4 ist meist die sicherste Wahl
- Sie können Ihre Steuerklasse einmal pro Jahr wechseln
Faktoren, die Ihr Nettogehalt beeinflussen
Bundesland:
- Kirchensteuersätze variieren (8% vs 9%)
- Einige Sozialversicherungssätze unterscheiden sich zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern
Anzahl der Kinder:
- Jedes Kind gibt Ihnen einen Kinderfreibetrag
- Reduziert Ihre monatliche Steuerlast
- Kann zwischen verheirateten Eltern aufgeteilt werden
Art der Krankenversicherung:
- Gesetzliche Versicherung: Einkommensabhängige Beiträge (verpflichtend bei Verdienst unter €69.300/Jahr)
- Private Versicherung: Risikobasierte Prämien (verfügbar bei Verdienst über €69.300/Jahr)
Jahres- vs. Monatsberechnungen
Verwenden Sie Jahresberechnung, wenn:
- Sie das ganze Jahr bei demselben Arbeitgeber arbeiten
- Sie ein festes Gehalt das ganze Jahr über haben
- Sie Ihre gesamte Steuerlast sehen möchten
Verwenden Sie Monatsberechnung, wenn:
- Sie während des Jahres den Job wechseln
- Sie variables Einkommen haben (Boni, Provisionen)
- Sie Teilzeit arbeiten oder unregelmäßige Stunden haben
Schnelle Schätzungsregel
Als grobe Richtlinie beträgt Ihr Nettogehalt typischerweise 60-70% Ihres Bruttogehalts, abhängig von Ihrer Steuerklasse und Ihrem Einkommensniveau. Für eine genauere Schätzung multiplizieren Sie Ihr gewünschtes Nettogehalt mit 1,3-1,4, um das Bruttogehalt zu erhalten, das Sie verhandeln müssen.
Warum ist das Bruttogehalt in Deutschland Standard?
Arbeitgeber verwenden Bruttogehälter, weil:
- Ihre persönliche Steuersituation sie nicht betrifft
- Sozialversicherungssätze sich jährlich ändern
- Steuerklassen für jeden Mitarbeiter unterschiedlich sein können
- Es eine einheitliche Grundlage für Arbeitsverträge bietet
Wichtige Hinweise für Expatriates
- Steuerresidenz: Wenn Sie mehr als 183 Tage pro Jahr in Deutschland leben, gelten Sie typischerweise als steuerlich ansässig
- Doppelbesteuerungsabkommen: Prüfen Sie, ob Ihr Heimatland ein Abkommen mit Deutschland hat, um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden
- Jährliche Steuererklärung: Erwägen Sie die Abgabe einer jährlichen Steuererklärung - Sie bekommen oft Geld zurück
- Professionelle Hilfe: Sie haben mehrere erschwingliche Optionen:
- Lohnsteuerhilfeverein: Gemeinnützige Steuerberatungsvereine, die Arbeitnehmern bei Steuererklärungen für einen kleinen Jahresbeitrag helfen (€50-150)
- Steuerberater: Professionelle Steuerberater für komplexe Situationen (teurer, €200-500+ pro Steuererklärung)
- Online-Steuersoftware: Viele bieten englische Benutzeroberflächen für einfache Situationen
Verwendung von Online-Rechnern
Bei der Verwendung deutscher Brutto-Netto-Rechner:
- Prüfen Sie immer, ob sie für das aktuelle Jahr aktualisiert sind
- Stellen Sie sicher, dass Sie das richtige Bundesland auswählen
- Geben Sie Ihre korrekte Steuerklasse ein
- Berücksichtigen Sie, ob Sie Kirchensteuer zahlen
- Berücksichtigen Sie eventuelle Kinderfreibeträge
Denken Sie daran: Diese Rechner liefern Schätzungen. Ihr tatsächliches Nettogehalt kann aufgrund von Rundungen, monatlichen Schwankungen bei den Sozialversicherungssätzen oder anderen spezifischen Faktoren Ihrer Situation leicht abweichen.